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Ehemaliger THQ-Chef packt aus: offenbar miese Arbeitsbedingungen

Jason Rubin war zuletzt Chef des ehemaligen Publishers THQ. In einem an GamesIndustry International gerichtetes Schreiben mahnt er nun schier katastrophale Arbeitsbedingungen an, unter denen die Entwickler Metro: Last Light geschaffen haben.

Jason Rubin kam zu einer schweren Zeit zu THQ, nämlich im Mai 2012. Seine Aufgabe war es, den damals noch angeschlagenen Publisher zu retten, doch schon damals war der Karren schlichtweg nicht mehr aus dem Dreck zu ziehen. Nach der THQ-Pleite erwarb Koch Media die Rechte an der Metro-Serie für sechs Millionen Dollar. Mit einem eindrucksvollen Artikel wandte sich der ehemalige THQ-Boss nun an GamesIndustry International und berichtet von katastrophalen Arbeitsbedingungen, unter denen die Entwickler in der Ukraine arbeiten mussten.

"Mehr eine Schulkantine als Entwicklerstudio"
Rubins Angaben zufolge stand für die Arbeiten an Metro: Last Light ein winziges Budget zur Verfügung. Für das gesamte Spiel wurde dem Entwicklerstudio 4A Games etwa so viel Geld zur Verfügung gestellt wie große Spieleschmieden für Zwischensequenzen ausgeben. Trotz der mehr als knappen finanziellen Mittel hebt der ehemalige THQ-Boss hervor, dass Metro: Last Light für seine Geschichte und Atmosphäre gelobt werde und technisch mit allen aktuellen Spielen mithalten könne.

Dann geht er noch weiter ins Detail: Es mangelte offenbar nicht nur an Geld. Rubin schätzt, dass das gesamte Entwicklerstudio im spärlich eingerichteten Fitnessraum bei EA Los Angeles unterzubringen wäre. Die Entwickler saßen seinen Ausführungen nach auf Klappstühlen und arbeiteten Ellenbogen an Ellenbogen zusammengepfercht an Spieltischen. Seiner Einschätzung nach glich die Szenerie mehr einer Schulkantine als einem Entwicklerstudio. Dennoch lobt er weiterhin, dass man es trotz dieser widrigen Umstände geschafft habe, einen höheren Metascore als Medal of Honor Warfighter zu erzielen.

PCs mussten am Zoll vorbeigeschmuggelt werden
Jason Rubin schildert den Ablauf, wenn beispielsweise ein neuer PC angeschafft werden musste:

  • Einer der Entwickler fliegt in die USA, besorgt dort einen High-End-PC
  • Weil man befürchten musste, dass ein PC von korrupten Beamten beschlagnahmt wurde, schmuggelten die Entwickler PCs in Rucksäcken in die Ukraine

Jason Rubin war selbst vor Ort in Kiew. Er wollte dem Entwicklerteam komfortable Bürostühle spendieren, stieß dann jedoch auf ein logistisches Problem: Weil es in der Ukraine schlichtweg keine Geschäfte dafür gab, hätte man sie aus Polen einführen müssen. Von den horrenden Kosten ganz abgesehen, hätte man dann aber auch die einzelnen Arbeitsplätze umstellen müssen, weil die Stühle breiter wären. Das wiederum würde zusätzliche Bürofläche erfordern, die schlichtweg nicht vorhanden war. Letztlich scheiterte daran die Besorgung neuer Stühle.

Ritterschlag für die Entwickler
Jason Rubin merkt an, dass es ihm nicht darum ginge, Mitleid zu erhaschen oder gar die Bewertungen der Fachpresse zu schönen. Ihm liegt es lediglich am Herzen, die Geschichte von 4A Games zu erzählen, bei dem viele talentierte Köpfe arbeiten, die jedoch derlei Bedingungen ausgesetzt sind.


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Pascal

Ich studiere in Kiel, arbeite bei einem Radiounternehmen und bin verrückt nach Spielen. Das Zocken ist mein liebstes Hobby, damit verbunden das Entdecken neuer Welten, Erleben von aufregenden Abenteuern, Looten und Leveln. GamersPress bedeutet für mich, diese Passion mit Euch zu teilen.

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