Durchgespielt - The Crew: Skyrim auf Rädern

Durchgespielt - The Crew: Skyrim auf Rädern

Spoiler-ENTwarnung: Wir von GamersPress maßen es uns nicht an, die Geschichte eines Spiels zu bewerten. Die sollte jeder selbst auf sich wirken lassen. Stattdessen beleuchten wir konkrete Spielinhalte und verraten euch, was ihr für euer Geld bekommt - oder im Falle von The Crew: eben auch NICHT für euer Geld bekommt.

The Crew: eher ein Skyrim auf Rädern
Publisher Ubisoft bezeichnet The Crew als ein "MMO-Car-PG", salopp formuliert erwartet man von The Crew daher ein World of Warcraft auf Rädern. Aber das ist es nicht. Wenn ihr in die gigantische Spielwelt eintaucht, werden euch maximal sieben weitere Mitspieler auf der Karte angezeigt. Oftmals befinden diese sich in der Spielwelt kilometerweit von euch entfernt. Zudem ist es bisher nicht möglich, eine dauerhafte Crew zu gründen, sich mit anderen Spielern zusammenzuschließen und andere Crews herauszufordern. Meist kommt eine Crew nur dann zustande, wenn ihr drei echte Freunde im Spiel habt, das bedeutet auch: pro Crew sind nur vier Spieler erlaubt. Neue Kontakte knüpfen ist bislang in The Crew nicht möglich, weil euch erstens nur sieben weitere Spieler aus aller Welt auf der Karte angezeigt werden und zweitens lohnt es sich ohnehin nicht, weil ihr keine bestehende Crew gründen könnt. Kurzum: Alles, was ein MMO ausmacht, fehlt bislang in The Crew.

Mehr Spieler auf der Map von The Crew sehen - das wollen wir auch
Aus dem 101-Trailer von Ubisoft: Der Schein trügt. So viele Spieler werden euch niemals auf der Karte im Spiel angezeigt.

Crew Credits: Ubisofts Trojanisches Pferd
Zu einem bestimmten Zeitpunkt dürft ihr euch in The Crew einer Fraktion anschließen. Ihr schaltet dann Fraktionsmissionen frei. Wenn ihr Fraktionsmissionen abschließt, erhaltet ihr Geld und Ansehen, steigt im Rang auf und verdient eine Art Gehalt. Zuvor aber macht euch The Crew mit einem auf den ersten Blick großzügigen Geschenk den Mund wässrig - 100.000 Crew Credits. Wow! Ganz im Ernst: Das ist wirklich viel Cash. Von diesen 100.000 Crew Credits könntet ihr euch zum Beispiel den legendären Lamborghini Miura SV kaufen oder den potenten BMW M5 aus dem Jahr 2011 oder den sportlich-eleganten Mercedes-Benz SL 63 AMG (R230). Liegt doch nahe: in einem Rennspiel sich leistungsstarke Edelkarossen kaufen. Tatsächlich ist es der größte Fehler, den ihr in The Crew machen könnt - ich habe ihn auch gemacht.

Das hat es mit den Crew Credits auf sich: Crew Credits ist eine zweite Währung im Spiel. Crew Credits erhaltet ihr nur gegen Echtgeld. Für 100.000 Crew Credits müsstet ihr im Uplay Shop stolze zehn Euro blechen. Und NUR mit diesen Crew Credits, die ihr nur ein einziges Mal im Spiel erhaltet und ansonsten kaufen müsst, könnt ihr in The Crew die so wichtigen Vorteilspunkte kaufen.

The Crew Vorteilspunkte: wollen wir haben, diesen Bonus auf Bremskraft The Crew Vorteilspunkte kaufen: bekommen wir aber nur gegen Echtgeld
Diesen Bonus auf Bremskraft würden wir uns gerne auch noch erspielen. Dürfen wir aber nicht. Ubisoft will, dass wir bezahlen.

Vorteilspunkte erhaltet ihr nach jedem Levelaufstieg. Frei erspielen könnt ihr euch also maximal 49 Vorteilspunkte. Zusätzliche Vorteilspunkte müsst ihr euch mit Crew Credits kaufen. Daher hier unser wichtigster Tipps für The Crew.

The Crew: so erhaltet ihr die meisten Vorteilspunkte, ohne bezahlen zu müssen
Wenn ihr in The Crew die meisten Vorteilspunkte verdienen wollt, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen, dann investiert zunächst eure ersten zehn Punkte in den Vorteil "Doppeleffekt". Dadurch erhaltet ihr eine Chance darauf, beim Stufenaufstieg gleich zwei Vorteilspunkte auf einmal zu erhalten. Dann: Sobald ihr einer Fraktion beigetreten seid und die 100.000 Crew Credits erhalten habt, solltet ihr euch überlegen, diese Crew Credits für Vorteilspunkte auszugeben. Ein Vorteilspunkt kostet 2.000 Crew Credits, das heißt, ihr könnt noch 50 weitere Vorteilspunkte kaufen. De facto seid ihr damit ein Spieler auf Stufe 100, obwohl Stufe 50 das höchste Level in The Crew ist. Diese Vorteilspunkte gewähren euch Vorteile auf das Handling eures Wagens, sie verbessern euer Nitro, ihr könnt mehr Bucks durch Missionen und Herausforderungen, ja sogar noch mehr Bucks durch PVP-Rennen erhalten, ihr könnt Boni auf Erkundung und etliche Preisnachlässe freischalten. Aber eben nur, wenn ihr weit mehr als 49 Vorteilspunkte zur Verfügung habt ...

Künstliche Intelligenz in The Crew: Freude, Staunen, FRUST
Wann dachtet ihr zuletzt in eurem Leben: "Das war eine dumme Aktion"? Was auch immer es war, die Künstliche Intelligenz von The Crew ist noch immer dümmer. Solange alles nach Plan läuft, bereiten die Missionsrennen in The Crew viel Freude. Sie sind nicht zu einfach, die Gummiband-KI macht es gerade spannend genug, dass ihr nach einem fehlerfreien Rennen ein gutes Gefühl habt und die nächste Mission spielen wollt. ABER: Macht ihr doch mal einen Fehler, baut einen Unfall, landet versehentlich in einem sonst fein gepflegten Vorgarten und müsst zurück auf die Piste spurten, setzt die Künstliche Intelligenz von The Crew völlig aus.

Genau das ist mir passiert. Bei einem 30-Minuten-Rennen bin ich irgendwie von der Straße abgekommen und in einem Garten gelandet - ärgerlich! Aber ich hatte genug Zeit, noch eine Aufholjagd zu starten. Ein paar Kurven später staunte ich dann nicht schlecht: Die KI-Gegner crashen absichtlich in die Leitplanke, setzen auf offener Straße den Rückwärtsgang ein und lassen mich einfach überholen. Wir haben diese bizarren Szenen für euch auf Video festgehalten.


Zum Haare raufen sind die Verfolgungsjagden in The Crew. Die Polizeiautos - rein äußerlich sind sie von der Stange - holen euch auch im teuersten und besten Supersportwagen noch problemlos ein. Und wehe, sie bremsen vor euch ab. Die Polizeiautos in The Crew sind nicht nur schnell wie der Blitz, sondern auch massiv wie ein Panzer. Polizeiautos abdrängen? Keine Chance. Bremst ein Polizeiwagen vor euch ab, dauert es keine fünf Sekunden und ihr seid verhaftet - die Mission müsst ihr noch einmal machen. Die einzige Möglichkeit, der Polizei in The Crew zu entkommen, ist die Flucht nach vorn. Die Polizei holt euch ansonsten immer ein, rauscht über jedes Hindernis problemlos hinweg und auch offroad sind die Gesetzeshüter DEUTLICH schneller und besser unterwegs als ihr es jemals sein könnt. Sobald die Polizei euch rammt, kegelt ihr durch die Spielwelt wie ein Flummi. Daher: Immer Vollgas geben, ab und an einen Haken schlagen und hoffen, dass die Polizei mal eine Kurve nicht gekriegt hat. Verfolgungsjagden sind in The Crew bislang FRUST pur!

Manchmal schlüpft ihr aber auch in die Rolle des Jägers und müsst einen bestimmten NPC ausschalten, indem ihr seinen Wagen von der Straße rammt. Macht euch keine Hoffnungen, dass das irgendwie spaßiger ist als der Gejagte zu sein. Besonders lächerlich: In einer Mission gegen Ende der Hauptgeschichte müsst ihr einen mit Gefangenen vollbesetzten Bus - einen BUS - von der Straße rammen. Auch wenn ihr in einer 500-PS-starken Rallye-Maschine sitzt, saust euch der Bus erst einmal davon. Wie auf Schienen bewegen sich die Computergegner und ihr habt kaum eine Möglichkeit, sie von ihrem Kurs abzubringen. Meistens seid ihr es selbst, die selbst als Jäger bei Ramm-Aktionen die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren. Dennoch: Wirklicher Frust kommt nur beim ersten, zweiten Mal auf. Habt ihr den Dreh einmal raus, sind die Missionen schnell gemeistert. Das gute Gefühl aber bleibt aus, trübt massiv die Freude am Spiel.

Einziger MMO-Anteil in The Crew: stumpfsinniges Grinden
Seid ihr erst einmal auf das höchste Level, nämlich Level 50 aufgestiegen, könnt ihr für euren Wagen Platintuningteile erspielen, um auch das letzte Bisschen Leistung aus eurem Gefährt rauszuholen. Insgesamt gibt es vom Motorkern bis zur Gewichtsreduzierung elf Tuningteile, die ihr optimieren könnt. Leider ist es absolute Glückssache, ein Platintuningteil der Stufe 50 zu erhalten. Denn die einzige Möglichkeit besteht darin, erneut Missionen und Tests zu spielen, mit einer Platinauszeichnung zu meistern und darauf zu hoffen, dass ihr das gewünschte Tuningteil auf der gewünschten Stufe mit dem gewünschten Bonus bekommt. Schließt ihr eine Mission oder Herausforderung mit Platinauszeichnung ab, erhaltet ihr per Zufall nämlich ein Tuningteil der Stufe 40 bis 50 mit einem Bonus auf Eigenschaften wie Grip, Bremsen, Beschleunigung oder Höchstgeschwindigkeit. Wenn euer Flitzer zu lange braucht, um die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, dann braucht ihr ein Tuningteil der Stufe 50 mit Beschleunigungsbonus. Wie ihr das erhaltet, seht ihr in unserem Video.


Insgesamt etwas mehr als 40 (!) mal haben wir den immerselben Sprungtest im Startgebiet absolvieren müssen, um das gewünschte Tuningteil vom Zufallsgenerator zu erhalten. Und das ist nur eines von insgesamt elf Tuningteilen, die wir auf Stufe 50 bringen müssen, um das Maximum an Leistung aus unserem Wagen zu holen. Das ist derzeit leider die effektivste Methode, bestimmte Tuningteile zu "farmen". Schade: Alle Tuningteile, die wir zwar erhalten, aber nicht brauchen, müssen wir in unserem HQ einlagern. Wir können sie weder für andere Autos verwenden, noch an Mitspieler verkaufen. Für mehr Abwechslung könnten wir auch andere Missionen und Herausforderungen abschließen, das aber würde noch einmal deutlich mehr Spielstunden in Anspruch nehmen und käme auf dasselbe hinaus - stumpfsinniges "Grinden" wie man es aus jedem MMO kennt. Grinden bedeutet: wiederholende Spielabläufe, die notwendig sind, um bestimmte Ziele zu erreichen. Hier hätte ich mir eine deutlich elegantere, abwechslungsreichere und fordernde Methode gewünscht.

Warum ich The Crew trotzdem durchgespielt habe und weiter spielen werde
Videospielen, die dieser Tage in den Handel kommen, mag man vorwerfen, sie seien unfertig. Bezahlte Betas. Auf Druck der bösen Publisher lieblos auf den Markt geworfene Produkte. Wir pflegen jedoch eine andere Perspektive: die Videospiele entwickeln sich. Die Macher von Battlefield 4 haben es schließlich auch geschafft, dass sich der anfangs schlechte Shooter doch noch zu einem guten Produkt entwickelt, erweitert um sinnvolle Features. Und so habe ich die Hoffnung, dass auch The Crew sich noch weiter entwickeln wird.

Trotz der angemerkten Negativpunkte, die mir wenig Freude bereitet haben und auch jetzt noch negative Emotionen hervorrufen, habe ich The Crew gerne durchgespielt und werde es auch weiterhin gerne spielen. Denn The Crew ist ein roher Diamant, der nur noch einiges an Feinschliff benötigt. Die Spielwelt ist riesig, es gibt unglaublich viel zu entdecken, erleben, erspielen: Fraktionen, Herausforderungen, Sehenswürdigkeiten, Prämien. Zudem macht es einfach Laune, mit seinem Renner über den Highway zu cruisen, in die Spielwelt einzutauchen. Mit Freunden von Küste zu Küste zu fahren, im Teamspeak oder Skype dem Ausraster eines Kollegen zu lauschen, der sich die Zähne an den Cops ausbeißt. Weltrekorde bei den Herausforderungen zu jagen, verborgene Autos zu finden, Easter-Eggs zu entdecken. All das bereitet viel Freude. Wer also nach einem Schul- oder Arbeitstag einfach mal abschalten möchte, kann in The Crew gemütlich durch die USA cruisen. Und all jenen, die beherzter, emotionaler und ehrgeiziger an das Spiel herangehen, sich auch mal über abstürzende PVP-Lobbys ärgern - genau wie ich auch - sei gesagt, dass wir mit The Crew noch ganz am Anfang stehen und sich das Spiel (hoffentlich) noch weiterentwickeln wird.

Wem der Kauf zu empfehlen ist ... und wem nicht
Ich empfehle The Crew all jenen, die ihre Freude hatten mit Rennspielen wie Need For Speed Underground. The Crew bietet eine gute Einzelspielererfahrung, eine ausreichende Fülle an begehrenswerten Klassikern und modernen Sportwagen sowie eine breite Palette an Spielinhalten. Wer die ein oder andere Schwäche aber nicht verzeiht und keine Geduld aufbringen möchte, erste Patches und Inhaltsupdates abzuwarten, sollte bis zum nächsten Steam- oder Uplay-Sale warten.

Tatsächlich NICHT zu empfehlen ist das Spiel für Spieler, die alles auf die Mehrspielererfahrung setzen. Zwar heißt das Spiel The Crew, aber es ist euch bislang nicht möglich, eine eigene Crew zu gründen. Außerdem beschränken sich die einzigen PVP-Inhalte auf eine noch kleine Auswahl an Rennen, die zudem noch nicht technisch stabil laufen. Es dauert mehrere Minuten, bis sich genug Spieler für ein Rennen gefunden haben. Wenn ihr das Spiel nicht gemeinsam mit einem Freund durchspielen möchtet, bietet The Crew leider ungenügende Mehrspielerinhalte.