gamescom award 2019 - Promoter rechtsradikaler Plattform erhält Auszeichnung

Am gamescom-Samstag wurden die gamescom awards in den noch offenen Kategorien verliehen - leider mit einem katastrophalen Fehlgriff.

gamescom award 2019 - Promoter rechtsradikaler Plattform erhält Auszeichnung

Update am 26. August 2019

Wir haben nach Bekanntgabe der gamescom-award-Gewinner eine Anfrage an die Stiftung Digitale Spielekultur gesendet, welche sich für den gamescom award, die Jury und Preisverleihung verantwortlich zeichnet. Wir wollten in Erfahrung bringen, mit welchen Argumenten sich die 30 Jury-Mitgliederinnen und -Mitglieder letztlich für THQ Nordic als "Best Games Company" entschieden haben. Außerdem fragten wir, ob das so widerwärtige AMA überhaupt bei der Entscheidungsfindung diskutiert worden sei. Heute haben wir eine Antwort darauf erhalten.

B.R., Senior Projektmanager und Referent der Geschäftsführung Stiftung Digitale Spielekultur teilte uns schriftlich mit:

Da es sich bei allen Entscheidungen der 30köpfigen Jury des gamescom awards um mehrheitliche handelt, findet keine Begründung statt. Ob den Juror*innen der geschilderte Sachverhalt bekannt war, ist mir nicht bekannt.

Und das war's.

In der Kategorie "Best Games Company" sind unabhängig von Größe, Umsatz oder sonstigen Kennzahlen automatisch all jene Unternehmen nominiert, die einen Stand in der Entertainment Area unterhalten. Laut Veranstalter der gamescom waren das im Jahr 2019 1.153 Unternehmen. Theoretisch hatten also über eintausend Unternehmen die Chance, als "Best Games Company" gekürt zu werden. Die Jury entschied sich letztlich für THQ Nordic. Zur Bewertung äußerte der Sprecher sich nur folgendermaßen: "Bewertet wurde von der Jury das gamescom-Lineup dieser Aussteller".

Es ist zwar nur eine Mutmaßung, doch kann man davon ausgehen, dass bei der Bewertung für diesen gamescom award schlicht ignoriert wurde, dass THQ Nordic noch vor sechs Monaten eine Plattform für Hass, Hetze und Menschenverachtung unterstützt hat. Das hat nach unserer Ansicht absolut nichts mit Spiele"kultur" zutun und ausdrücklich distanzieren wir uns davon.

Selbst interne Konsequenzen bleiben aus

THQ Nordic entschuldigte sich zwar für den "Vorfall", wobei angemerkt sei, dass es kein Versehen sein kann, ein AMA auf einer Plattform für Hass, Hetze, Kinderpornografie und Menschenverachtung zu veranstalten und auch gar keine Vergebung verdient, allerdings gibt es Medienberichte, die schildern, dass das Vergehen auch nach der Entschuldigung nicht einmal intern behandelt wurde. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit der Presse darüber gesprochen haben, wollten anonym bleiben, weil sie fürchteten, ihren Job zu verlieren. Quelle (Link verweist auf eine externe Seite für deren Inhalt wir nicht verantwortlich sind): vice.com

Ich persönlich kann nur jedem Mitspieler und jeder Mitspielerin raten, die Kanäle von THQ Nordic in den sozialen Netzwerken zu deabonnieren und zu blockieren. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass das Unternehmen weniger Reichweite erzielt und früher oder später etwas ändern muss. Auch auf der Gamingplattform Steam könnt ihr sämtliche Inhalte von THQ Nordic ausblenden. Geht dazu einfach auf die Publisherseite von THQ Nordic, die wir aus ersichtlichen Gründen hier nicht verlinken werden, ihr könnt die Einstellungen direkt in der Steam-Anwendung vornehmen und klickt auf das Zahnrad am oberen, rechten Bildschirmrand. Wählt dann "Ersteller ignorieren" und künftig werden euch auf Steam keine Inhalte mehr von THQ Nordic angezeigt.

Originalmeldung vom 24. August 2019

Eigentlich haben wir uns vorgenommen, gar nicht mehr über den österreichischen Videospielpublisher THQ Nordic und dessen vermarkteten Spiele zu berichten. Im Frühling diesen Jahres haben wir zudem die THQ-Nordic-Konten in den sozialen Netzwerken blockiert. Der Hintergrund: Vor fast genau sechs Monaten, am 26. Februar 2019, kündigte THQ Nordic über den Kurznachrichtendienst Twitter ein AMA, ein Ask Me Anything, an. Dieses AMA sollte stattfinden auf der nachweislich rechtsradikalen Plattform 8chan. Obwohl schon auf die Ankündigung des AMA berechtigte Kritik von allen Seiten kam, ignorierte THQ Nordic sämtliche Gegenrede und setzte das AMA wie angekündigt um. Bar jeder Vernunft teilte der Publisher sogar mit:

Die Möglichkeit war da und wir haben sie ergriffen. Wir wurden sehr freundlich und höflich darauf angesprochen und uns wurde versichert (Shoutout an Mark), dass man sich um unangenehmes Zeug kümmern wird. So, hier sind wir nun also.

Das bedeutet also, THQ Nordic wusste genau, was 8chan für eine widerliche Plattform ist. 8chan enthält fast ausschließlich nationalistische, rassistische, antisemitische und frauenfeindliche Inhalte, außerdem haben die Schützen der Anschläge von Christchurch, Poway und El Paso in einem Forum von 8chan ihre Manifeste veröffentlicht. Bereits 2015 wurde 8chan von Google auf die schwarze Liste gesetzt, weil auf der Plattform kinderpornografische Inhalte verbreitet wurden. Nicht nur das: Natürlich wurde während des AMA zahlreich genau das "unangenehmes Zeug" geposted und Vertreter von THQ Nordic haben darauf noch unangenehmer geantwortet, anders ausgedrückt - sich zum Mittäter gemacht. Klingt das nach einer Firma, die eine Auszeichnung verdient?

Und der gamescom award in der Kategorie "Best Games Company" geht an ...

Jedes vernünftig denkende Individuum weiß sofort: NEIN! Die Fach-Jury des gamescom awards sieht das offenbar anders. Die Fach-Jury verleiht den gamescom award in der Kategorie "Best Games Company" ausgerechnet an THQ Nordic. Das bedarf in Anbetracht der Vorgeschichte keiner weiteren Worte, es bleibt die Frage nach dem Warum. Eine vernünftige Entscheidung wäre, dem Unternehmen die Auszeichnung abzuerkennen ...

gamescom award-Jury: Diese Menschen haben entschieden

Insgesamt 30 Menschen, die aus verschiedenen Perspektiven heraus auf die Videospielbranche blicken, machen die Jury des gamescom award aus. Joachim Hesse, innerhalb der Spielergemeinde liebevoll "Onkel Jo" genannt, ist zum Beispiel Mitglied der Jury. Uke Bosse, seines Zeichens unter anderem Schauspieler und Hochschullehrer im Bereich Videospiele ebenso, auch Valentin Rahmel, ihr kennt ihn als den Let's Player Sarazar, sitzt in der Jury. Darüber hinaus sind weitere Branchen vertreten, Petra Schmitz zum Beispiel ist Teil der gamescom award Jury. Das ist in diesem Fall deshalb brisant, weil sie in der Redaktion GameStar arbeitet und auch die GameStar im März 2019 noch umfassend sowie kritisch über das Vorgehen von THQ Nordic berichtet hat. Zum Bericht (Link verweist auf eine externe Seite für deren Inhalt wir nicht verantwortlich sind): AMA auf 8chan wird zum PR-Desaster - THQ Nordic entschuldigt sich. Das lässt einen vernunftgesteuerten Menschen doch ernsthaft die Glaubwürdigkeit eines solchen Medienhauses hinterfragen.

Mit anderen Worten: Die Fachjury kennt sich bestens in der Materie aus, ist topinformiert und entscheidet sich trotzdem dafür, THQ Nordic mit einem gamescom award auszuzeichnen - warum?